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Eine mutige Idee feiert Jubiläum

10 Jahre Pelletwerk Hardegsen

Im Frühjahr 2010 purzelten im Pelletwerk Hardegsen die ersten Holzpellets aus den Matrizenpressen. Doch bis es soweit war, tropfte dem Gründer-Trio Volker Fröchtenicht, Thomas Bischof und Klaus Seeger so manche Schweißperle von der Stirn. Kein Wunder: die Idee, in der ehemaligen Zementfabrik eine Pelletproduktion zu errichten, erwies sich als Mammutprojekt mit langer Anlaufzeit. Von einer guten Idee, die beinahe scheiterte:   
 

Heimatwärme-Redaktion: "Herr Bischof, das Holzpelletwerk Hardegsen feiert in diesem Jahr 10-jähriges Jubiläum. Die Anfänge waren recht holprig und manchmal sah es so aus, als ob das Projekt scheitern würde. Was hat Sie angetrieben, nie aufzugeben?"


Thomas Bischof: "Als wir 2006 damit anfingen, uns mit einem Pelletwerk in Niedersachsen zu beschäftigen, war das noch etwas Neues in Deutschland. Damals gab es nur zwei oder drei Pelletwerke. Eines davon war in Buchenbach, das die EC Bioenergie zusammen mit dem dortigen Sägewerk entwickelt hatte.
Neue Ideen lagen in der Luft. Wir waren davon überzeugt, dass das Zeitalter der fossilen Energie bald zu Ende gehen würde. Diese neue regenerative Form der Energiegewinnung gab uns den Mut, neue Wege zu gehen und die Vision nicht aus den Augen zu verlieren."

Heimatwärme-Redaktion: "Herr Seeger, wie kam es zu diesem Dreier-Verbund und zu einem Pelletwerk ausgerechnet in Hardegsen?"

Klaus Seeger: "Das war Zufall. Volker Fröchtenicht und sein damaliger Geschäftspartner benötigten zusätzliche Flächen für ihren Altholzverwertungsbetrieb.
Wir kannten uns damals aus Kassel. Weißt du noch, Volker, du hast damals an ein Altholzheizkraftwerk Brennstoffe geliefert, in dem ich als technischer Berater tätig war?"

Volker Fröchtenicht: "Ja, wir brauchten mehr Fläche für unsere Altholzaufbereitung. Bei der Suche stießen wir auf das brach liegende Gelände der ehemaligen Zementfabrik. Allerdings mussten wir damals das gesamte 25 ha große Grundstück für 1 Mio. Euro kaufen. Wir haben es dann zähneknirschend gemacht, aber eigentlich war das eine Nummer zu groß für uns. Ich überlegte, was man neben der Althholzaufbereitung auf dem Gelände sonst noch machen könnte und fragte dich um Rat."

Klaus Seeger: "Ja, ich habe dich damals für deinen Entschluss, das große Gelände zu kaufen, bewundert."

Volker Fröchtenicht: "Mut? Naja, das Ganze hat mich auch einige schlaflose Nächte gekostet – bis du dann die Lösung hattest…"

Klaus Seeger: "Das Gelände war wie geschaffen für eine Pelletherstellung: es lag zentral in einem großen Waldgebiet, in dem nahegelegenen Ort Adelebsen war ein Sägewerk, das uns mit Rohstoffen versorgen konnte und die Wohnsiedlungen weit genug entfernt. Zudem gab es gute Chancen, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Die Perspektiven für den Absatz der Pellets waren vielversprechend. Sogar die vorhandenen Bauten, wie beispielsweise das Kesselhaus und die Silos, waren teilweise noch nutzbar."

Thomas Bischof: "Die Voraussetzungen waren perfekt. Jetzt brauchtet ihr nur noch einen geeigneten Investor. Jemanden, der ebenfalls von Biomassenutzung überzeugt war und die Chancen und Möglichkeiten gesehen hat. Bisher nutzte man vorwiegend in Süddeutschland Holz zur Energieerzeugung. Warum das nicht auch im Norden ausprobieren?"

Heimatwärme-Redaktion: "Und wie ging es dann weiter Herr Fröchtenicht?"

Volker Fröchtenicht: "Wir haben uns alle in Hardegsen zu einem Ortstermin getroffen und waren uns schnell einig: wir wollten aus der alten Zementfabrik ein Zentrum für erneuerbare Energien aufbauen: ein Pelletwerk, ein regeneratives Biomasseheizkraftwerk, Plantagen mit schnellwachsenden Bäumen (KUP), einen Photovoltaikpark und Windturbinen usw."

Thomas Bischof: "Wir konnten zwar nicht alles realisieren, aber das Kernprojekt setzten wir um. Es hat lange gedauert, denn es war vor allem finanziell problematisch. Die Banken waren sehr skeptisch."

Heimatwärme-Redaktion: "Wie sind Sie schließlich doch noch an das nötige Kapital gelangt?"

Thomas Bischof: "Zunächst ging das nur mit viel Eigenkapital, das wir natürlich nicht hatten. Deshalb holten wir einen holländischen Investor mit ins Boot, der uns finanziell unterstützte. Ich glaube, wir haben bestimmt mit 30 verschiedenen Banken über die Realisierug verhandelt, aber es hagelte nur Absagen. Mehrmals drohte das Projekt zu scheitern. Zum Schluss fanden wir dann doch ein Sparkassen-Konsortium, die das Projekt mitfinanzierten. Wir konnten Sie davon überzeugen, dass die Zukunft des Wärmemarkts neue Wege braucht. Bei unserem Projekt sollte kein Stöckchen und keine Kilowattstunde verloren gehen - alles sollte durch die Kombination von Heizkraftwerk und Pelletproduktion in geschlossenen Energie- und Stoffkreisläufen genutzt werden."

Heimatwärme-Redaktion: "Die Finanzierung ist die eine Sache, Herr Seeger. Wann ging es denn konkret los in Hardegsen?"

Klaus Seeger: "War das nicht die Turmsprengung im Jahr 2007, Volker? Das war ein Riesen-Event damals – sogar die Presse war dabei!"

Volker Fröchtenicht: "Ich erinnere mich nicht gern daran. Ich war froh, als der endlich weg war, denn der Turm wurde von Jugendlichen heimlich bestiegen. Glücklicherweise ist nie was passiert."

Heimatwärme-Redaktion: "Herr Fröchtenicht, Sie ewähnten vorhin, dass auch die Biomassebeschaffung besonders innovativ geplant war?"

Volker Fröchtenicht: "Ja, wir bauten eigene Kurzumtriebsplantagen an, die uns Energielieferanten und Rohstoffquelle für die Herstellung von Pellets dienen sollten. Im Frühjahr 2011 pflanzten wir gemeinsam mit Schülern des Schulbauernhofs Hardegsen zwei Pappeln- und Weidearten. Diese Plantagen befinden sich im Ortsteil Parensen und auf einer an das Werksgelände angrenzenden Ackerfläche. Erst kürzlich haben wir ein zweites Mal geerntet. Allerdings haben wir festgestellt, dass sich die Kurzumtriebspflanzen mehr für den Einsatz im Heizkraftwerk eignen als zur Pelletproduktion."

Heimatwärme-Redaktion: "Und wie arbeitet das Tandem aus Heizkraftwerk und Pelletwerk heute?"

Thomas Bischof: "Unsere Heizkraftanlage in Hardegsen erzeugt 2 MW Öko-Strom, der überwiegend selbst genutzt und zum Teil ins Netz eingespeist wird. Dafür benötigen wir rund 40.000 Tonnen Holzabfälle aus der Landschaftspflege und den Forsten. Die anfallende Wärme von 8 MW wird zur Trocknung der Sägespäne verwendet, die bis zu 50% Feuchtigkeit enthalten. Die Rohstoffe, die für die Pelletproduktion verwendet werden, stammen ganz überwiegend von Sägewerken aus einem Umkreis von etwa 100 Kilometern. Aus den trockenen Spänen werden dann Pellets gemacht."

Heimatwärme-Redaktion: "Die Eröffnung des Pelletwerkes war dann im Februar 2010. Was war das für ein Gefühl, Herr Seeger?"

Klaus Seeger: "Mit einem Schlag fielen all die Mühen von uns ab – wie oft dachten wir, dass aus dem Pelletwerk nichts wird – und dann die gemeinsame Eröffnung – das war überwältigend!"

Heimatwärme-Redaktion: "Eine letze Frage noch, Herr Bischof: Wenn Sie auf die letzten 10 Jahre zurückblicken. Läuft nun alles für Sie nach Plan?"

Thomas Bischof: "Nein, als Pelletlieferant und -dienstleister in der Region wollen und müssen wir uns immer weiterentwickeln, da sich auch im Wärmemarkt viel bewegt: aktuell produzieren wir in Hardegsen etwa 75.000 Tonnen Holzpellets pro Jahr. Angefangen haben wir mit knapp 60.000 Tonnen. Die Effizienz der Pelletproduktion und des Heizkraftwerkes haben wir fortlaufend stark erhöhen können.
Vor drei Jahren haben wir einen Werksverkauf für Endkunden eröffnet und unseren Direktvertrieb ausgebaut. Von diesem Standort aus beliefern wir Endkunden in ganz Niedersachsen, Nordhessen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen. Vor einem Jahr haben wir eine Recyclingfolie für unsere Sackware eingeführt, um noch mehr CO2 einzusparen. Und wir tüfteln gerade an weiteren CO2-reduzierenden Projekten, insbesondere im Verpackungsbereich. Es bleibt also spannend."

Heimatwärme-Redaktion: "Vielen Dank für das Gespräch."

Das Interview führte Jasmin Pfeiffer. 

 

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Spatenstich für das Pelletwerk Hardegsen mit den Gründern